MET Mannheim

Bild Pia aus kirche aktiv.jpgIch war fremd ... und ihr habt mich aufgenommen

Ein Abend über und mit Geflüchteten auf Einladung der Kolpingfamilie in Mannheim-Neckarau

Nahezu 60 Zuhörer kamen in den Kolpingssaal der St. Jakobuskirche zu einem Informationsabend über die Situation und Perspektiven von Flüchtlingen in Deutschland unter dem Motto: "ich war fremd und Ihr habt mich aufgenommen"(Mt 25,35).  Die Kolpingsfamilie hatte zu diesem Thema eingeladen und war selbst überrascht über den großen Zuspruch.

Für diesen Abend wurden Jochen Winter, der katholische Flüchtlingsseelsorger in Heidelberg und Mannheim, Pia Marggrander, MET- Mitglied und schon seit 2015 aktiv in der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten, und Khaled Almodarres, Apotheker und Familienvater aus Aleppo, gewonnen.

Jochen Winter erörterte an einem Schaubild, was auf die Menschen zukommt, die es bis nach Deutschland geschafft haben. Er erläuterte die Begriffe Dublinabkommen (zuständig ist das Land, in dem der Geflüchtete Europa betreten hat), Erstaufnahmestelle, Anhörung, Transfer, Wohnsitzauflage ...

Überwältigt von so vielen Besuchern erzählte Khaled Almodarres die Geschichte seiner Familie in englischer Sprache. Wie er, seine Frau und das viermonatige Kind in Syrien starteten und was sie alles erwartete, als sie in Deutschland ankamen. Verzwickte Situationen, manche Ungerechtigkeiten der Behörden ... Jetzt hat er einen sicheren Arbeitsplatz, kann seine Familie alleine ernähren, hat eine eigene Wohnung und ist stolz, dass er hier Steuern bezahlt, nach all dem, was Deutschland für ihn getan hat.

Daniel Al Habib, ebenfalls ein junger Syrer, hatte in Schriftform seine Geschichte festgehalten, die dann vorgelesen wurde. Auch bei ihm gab es Hindernisse, bis er sich in Mannheim niederlassen konnte. Jetzt arbeitet er in seinem erlernten Beruf im Hotel.

Von sehr vielen verschiedenen Nationalitäten, die in Mannheim aufgenommen wurden, berichteten Pia Marggrander und Jochen Winter und, wie sie vielen von ihnen im Benjamin Franklin Village im interreligiösen Gebetsraum begegnet sind, egal welcher Religion sie angehörten, alle fanden ein offenes Ohr.

Das gemeinsame Resümee aller Vortragenden war: ohne persönliche Hilfe von uns Deutschen finden sich die Migranten nur schlecht zurecht. Ein Lächeln in der Straßenbahn, eine freundlich beantwortete Frage, Hilfe und Unterstützung im Alltag ist für uns oft eine Kleinigkeit, für die Geflüchteten eine sehr große Erleichterung  und gibt ihnen das Gefühl, angekommen zu sein, trotz Heimweh, Ängste um die Familie und Freunde zu Hause...

Beide Syrer äußerten, dass das deutsche Asylrecht schon Sinn macht, und sie auch verstehen, dass durch die vielen, die angekommen sind, die Anträge lange brauchten, bis sie bearbeitet wurden. Manche Gesetze, wie die Wohnsitzauflage, machen für viele das Leben unnötig schwer und kann eine rasche Aufnahme der Berufstätigkeit verhindern.

"Man bekommt so viel zurück, wenn man sich mit Migranten auseinander setzt", erzählte Pia Marggrander: Nicht nur gutes Essen, kostenlosen Englischunterreicht, sondern es erweitere auch ungeheuer den Horizont, die Ansichten der Menschen zu entdecken und zu erspüren, die nicht das Glück hatten, in einem Land ohne Krieg zu leben.