MET Mannheim

Maria und Maryam - starke Frau der 19. Sure des KoranPhoto by Meriç Dağlı on Unsplash-WEB.jpg

3. METwoch-Abend am 12.Mai 2021:
Diakon Christian Möhrs brachte uns eine Frau aus zwei Religionen näher

Am METwochabend im Mai nahmen knapp 20 Interessierte über die Konferenz-Plattform Zoom teil und konnten eine ganz andere Maria kennenlernen: Maryam, wie sie im Islam gesehen wird. Der hauptamtliche Diakon Christian Möhrs, der in der Mannheimer Seelsorgeeinheit Neckarstadt und für das Mannheimer Evangelisierungsteam MET e.V. tätig ist, gab kurzweilig und mithilfe von bildlichen Darstellungen plastische Einblicke auf Maryam im Islam. Hier eine Zusammenfassung:

In der christlichen Kirche kennen wir Maria mit dem Kind auf dem Arm. Als eine Fürsprecherin, der wir oft Kerzen anzünden und unsere Anliegen vor sie bringen, in der Hoffnung, dass sie als Mutter uns versteht und vor Jesus vertritt.
Auch im Koran kommt Maria vor. Sie heißt dort Maryam.

Die Schriften des Neuen Testaments berichten sehr wenig über die historische Maria. Reich ausgestaltet wird die Mutter Jesu jedoch in den Legenden, Bildern, Gebeten und Dogmen der frühen Kirche. Bis heute begegnet uns Maria in Kunst, Literatur und Liturgie.
Aus dem Lukasevangelium kennen wir vor allem die Weihnachtsgeschichte, die uns von der Botschaft des Engels an Maria und von der Geburt Jesu erzählt.
Das Johannesevangelium erzählt die Geschichte der Hochzeit zu Kana, bei der Maria ebenfalls anwesend war. Außerdem steht sie unter dem Kreuz Christi, zusammen mit Johannes, dem Lieblingsjünger. Nach der Kreuzabnahme wird sie dargestellt als sog. Pietà, das heißt als trauernde Mutter mit ihrem toten Sohn in den Armen. Auch an Pfingsten ist sie im Kreis der Jünger dabei.
In der Offenbarung des Johannes (Kap.12) schließlich wird sie beschrieben als Frau mit dem Mond unter den Füßen, bekleidet mit der Sonne und auf ihrem Haupt leuchtet ein Kranz von zwölf Sternen – der Sternenkranz der Europafahne nimmt Bezug auf dieses Bild. Auch das Blau entspricht der Farbe Mariens.
Die kirchliche Tradition kennt außerdem etliche Legenden und außerbiblische Geschichten über Maria, auch über ihren Tod und ihre Aufnahme in den Himmel.

In Kunst und Musik werden diese Legenden oftmals dargestellt. In Wallfahrtsorten wird sie verehrt, man gedenkt ihrer in Erinnerung an Erscheinungen, an besonderen Gedenktagen. Auf der ganzen Welt wird Maria in katholischen Gemeinden verehrt. Gebete, wie etwa der Rosenkranz berichten vom Leben und Sterben Jesu Christi, eingebettet in den Zusammenhang mit seiner Mutter Maria.
Ähnlich dem Rosenkranz gibt es auch im Islam eine Gebetskette, wobei dort die Perlen nicht an Maria und Szenen aus Jesu Wirken erinnern, sondern an die 99 Namen Allahs.

Welche Bedeutung hat diese besondere Frau im Islam, wo sie Maryam genannt wird?

Es gibt auch eine muslimische marianische Frömmigkeit. Maryam ist die einzige Frau, die namentlich im Koran genannt ist. Sie ist von Gott erwählt. Die 19. Sure des Korans erzählt von der Verkündigung, der Geburt Jesu (im Koran „Isa“) und der Rückkehr Maryams zu ihrem Volk.


Auch hier begegnet ihr ein Bote, der die jüngfräuliche Empfängnis verkündet. Auch Maryam fragt, wie das sein könne ohne Beteiligung eines Mannes, doch es ist keine Rede davon, dass es Gottes Sohn sei, der in ihr wachsen wird. Auch braucht es keine Einwilligung von ihrer Seite. Im Weiteren erweist sich Maryam als starke Frau, die ohne männlichen Schutz die Schwangerschaft durchsteht und schließlich ihr Kind unter einer Palme gebiert – wobei sie ungeschminkt ihre Verzweiflung äußert und Gott sie mit von der Palme heruntergeschüttelten Datteln stärkt. Auch mit dem Baby schlägt sie sich alleine durch und kehrt zu ihren Verwandten zurück.


So erscheint Maryam im Islam als starke Frau. Theologisch ist ein wesentlicher Unterschied, dass Maria im Christentum vor allem eine christologische, das heißt eine auf Christus bezogene Bedeutung hat – als Mutter des Heilands und als Sinnbild der Kirche, sie wird über ihren Bezug zu Jesus Christus definiert. Im Islam dagegen wird ihr Sohn Isa von seiner Mutter her definiert: Er hat als Sohn Maryams  seine Identität und gilt als Prophet. Es gibt keinen Glauben an Isa als Sohn Gottes. Maryam hat eine „theozentrische“, das heißt eine auf Gott bezogene Bedeutung hat: Sie ist eine gerechte Frau vor Gott.
Im Koran wird Maryam eher passiv dargestellt, im Lukasevangelium ist sie diejenige, die im Magnifikat durchaus Stellung bezieht („er stößt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“).


Christian Möhrs hat seinen interessanten Vortrag mit Bildern und Beispielen unterlegt, die uns die Frau aus den zwei Religionen näher gebracht haben. Und seine Empfehlung für das kommende Weihnachtsfest: Die Krippe mit einer Palme bereichern.
(Ingrid Weissenborn)


Bild: Mariendarstellung in einer Kuppel der Hagia Sofia. Foto von Meriç Dağlı auf Unsplash